Der Kampf um freies Wissen.
Wer gestern im englischsprachigen Wikipedia nachschauen wollte, was ein Begriff bedeutet oder wie groß ein Land ist, der bekam nicht wie gewohnt die Antwort in Sekundenschnelle. Stattdessen sah er lediglich einen schwarzen Bildschirm.
Der von Hollywood und Musikindustrie unterstützte Gesetztesentwurf SOPA brachte nicht nur Wikipedia, sondern auch Google, Yahoo und Millionen von Internetnutzern auf die Barrikaden. Diesem Gesetzesentwurf zufolge sollen Websites ohne Rückfrage abgeschaltet werden können, wenn Inhalte eines anderen Eigentümers gefunden werden. Deutsche Nutzer kennen das in abgeschwächter Weise bereits von Youtube, wenn Videos aufgrund bestimmter GEMA-Rechte abgeschaltet werden. Dieser US-Gesetzesentwurf bringt jedoch nicht nur ein einzelnes Video, sondern ganze Websites und Plattformen wie Google und Co. in Gefahr.
Mehr Informationen dazu in dieser kurzen Reportage zu SOPA.
Hinter dem Kampf der Giganten unserer heutigen Unterhaltungs- und Informationstechnologie verbirgt sich eine Frage, die uns wahrscheinlich noch weit über SOPA hinaus beschäftigen wird:
Ist Wissen ein freies Gut, das allen gehört?
Die Befürworter sehen vor allem die Möglichkeiten, die durch Weiterentwicklung und neue Vernetzung von Ideen entstehen. Andere halten Wissen dagegen immer noch für Privateigentum, das teuer erworben wurde und deshalb auch wieder teuer verkauft werden kann.
Ich denke, dass wir es hier mit einem Systemwechsel zu tun haben. Wikipedia ist ein großartiges Beispiel dafür, dass durch Synergien viel mehr entsteht als durch Protektionismus. Dieser Systemwechsel wird unser Leben und Arbeiten auch in den nächsten Jahren noch grundlegend weiter verändern. Wie das neue System genau funktionieren wird, kann heute noch niemand sagen. Gesetze, die das alte System schützen, helfen niemandem: die Vermittlungsindustrie erhält nämlich Löwenanteil des Geldes – nicht wie oft proglammiert die Urheber! Lasst uns lieber darüber nachdenken, wie wir die neue Arbeitswelt gestalten und wie gerechte Bezahlung von Dienstleistung aussehen kann.

Hallo,
interessanter Artikel
zu: “Lasst uns lieber darüber nachdenken, wie wir die neue Arbeitswelt gestalten und wie gerechte Bezahlung von Dienstleistung aussehen kann.”
kann ich etwas beisteuern …
Es ist einKonzept wie die Zusammenarbeit in Netzwerkprojekten grob geregelt werden könnte siehe http://www.onlinetechniker.de/?q=node/492
Hallo Martin,
danke für Deinen Kommentar.
Ich bin gerade nicht in der Situation, dass ich neue Business-Baustellen aufmachen will. Aber ich wollte mir zur Information mal Dein E-Book downloaden. Bisher hat es jedoch nicht funktioniert.
Wenn man es genau nimmt, basiert jedes neue Wissen zum größten Teil auf altem. Warum sollte wir dann ein Eigentum darauf geben? Genauso wie auf Nahrungsmittel? Energie ist im prinzip auf frei zu haben. Die Sonne schickt uns genug, ohne dass sie was dafür haben will.
Ja, wir wären mit Sicherheit um Jahre weiter, wenn wir Wissen frei weiter nutzen dürften. Daher habe ich meine Artikel auch unter CC-Rechte zur freien Weiterverwendung gestellt. Nur kooperativ kommen wir wirklich weiter. Konkurrenz dient nur dazu, wenige reich zu machen.
Inzwischen kommt es mir so vor, dass unser Gesellschaftssystem mit einem Staat nicht anderes ist ein Freilaufgehege für Leibeigene: http://faszinationmensch.wordpress.com/2012/02/07/die-matrix-staat-als-menschenfarm/
Guten Abend Herr Bartonitz,
ganz so düster würde ich die Situation nicht sehen wollen.
Wenn ich uns mit Leibeigenen vergleiche, dann haben wir jede Menge Gestaltungsmöglichkeiten.
Ich denke, dass es sinnvoller ist, die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen und im Rahmen des Systems zu gestalten, als gleich nach Revolution zu rufen. Ich denke da eher an Reformation und Unternehmertum – im Sinne von Unternehmern als Menschen, die etwas unternehmen.